Die fünf wichtigsten Werte erklärt
Gain: Wie stark das FFB insgesamt ist. Faustregel: so hoch dass du gerade noch Lenkkraft kontrollieren kannst, aber nichts clippt. Clipping bedeutet: das Signal wird abgeschnitten, weil die Wheelbase ihre maximale Kraft erreicht. Du verlierst Informationen. Auf einer MOZA R9 V3 mit 9 Nm: meist 60–70 %. Auf einer Fanatec CSL DD mit 5 Nm: 80–90 %, weil die Base schwächer ist und mehr Gain braucht, um das gleiche Gefühl zu erzeugen. Auf einem Simucube 2 Sport mit 17 Nm: 40–50 %, sonst brichst du dir die Arme.
Min Force: Wichtig für kleine Wheels und schwache Bases. Bei billigen Bases hilft's, bei DD ist's meist auf 0 % — du willst die feinen Signale. Min Force fügt ein Minimum an Kraft hinzu, damit tote Zonen im unteren Bereich verschwinden. Bei einer Logitech G29 ist 10–15 % normal. Bei einem Direct Drive mit 8 Nm+ ist 0 % fast immer richtig. Wenn du Min Force brauchst, merkst du es: In langgezogenen Kurven spürst du plötzlich nichts mehr, obwohl das Auto belastet ist.
Dynamic Damping: Dämpft Vibrationen aus dem Asphalt. Auf 50–60 % für GT3, auf 20–30 % für Formel. GT3-Autos haben mehr Federweg und übertragen mehr Straßentextur. Formel-Autos sind steifer, da brauchst du weniger Dämpfung. Der Wert ist Geschmackssache: Wer viel Details spüren will, geht niedriger. Wer empfindlich ist und nach 30 Minuten taube Hände hat, geht höher. Experimentiere in 10%-Schritten.
Road Effects: Asphalt-Textur, Kerbs, Randsteine. Pure Geschmackssache, 10–20 % reicht meist. Bei 0 % fühlst du nur Lenkkraft, keine Oberfläche. Bei 50 %+ wird es bei manchen Bases kratzig und unnatürlich. Road Effects sind kein physikalisches FFB — sie sind eine Zusatzinformation. Manche Pros fahren komplett ohne und konzentrieren sich nur auf das reine Lenkmoment. Für Einsteiger: 15 % ist ein guter Startwert.
Filter: Glättet das Signal. Bei DD wirst du das hassen — auf 0 % lassen. Filter entfernt Rauigkeit, aber auch Details. Bei einer billigen Belt-Drive-Base kann ein Filter von 2–4 % helfen, das Rattern zu reduzieren. Bei Direct Drive ist jeder Prozent Filter eine Information, die du nicht mehr spürst. Wenn dein DD zu rau klingt, ist das Problem meist nicht das FFB-Filter, sondern ein schlechter Wheel-Rim oder eine defekte Wheelbase.
Wheelbase-spezifische Startwerte
Hier sind bewährte ACC-FFB-Startwerte für die gängigen Einsteiger- und Mittelklasse-Bases. Kopiere sie als Basis und passe dann an:
MOZA R9 V3 (9 Nm): Gain 65 %, Min Force 0 %, Dynamic Damping 55 %, Road Effects 15 %, Filter 0 %. Das ist ein ausgewogener Start. Bei langen Strecken wie Spa oder Monza reduziere Gain auf 60 %, wenn die Arme ermüden.
Fanatec CSL DD 5 Nm / 8 Nm: Gain 85 % (5 Nm) bzw. 70 % (8 Nm), Min Force 0 %, Dynamic Damping 60 %, Road Effects 12 %, Filter 0 %. Die CSL DD ist etwas lauter im Betrieb als MOZA — das ist normal, nicht kaputt.
Logitech G PRO (11 Nm): Gain 55 %, Min Force 2 %, Dynamic Damping 45 %, Road Effects 18 %, Filter 0 %. TRUEFORCE arbeitet parallel zum normalen FFB — hier kann Road Effects etwas höher sein, weil TRUEFORCE die haptischen Details separat verarbeitet.
Simucube 2 Sport / Pro (17–25 Nm): Gain 35–45 %, Min Force 0 %, Dynamic Damping 30 %, Road Effects 8 %, Filter 0 %. Bei so viel Drehmoment ist weniger mehr. Fokus auf reines, unverfälschtes Force Feedback.
So findest du deine persönlichen Werte
Die perfekten FFB-Werte sind subjektiv. Was für Martin perfekt ist, fühlt sich für dich vielleicht zu schwach oder zu aggressiv an. Hier ist eine bewährte Methode, die in 30 Minuten zu deinem Setup führt:
Schritt 1 — Baseline laden: Nimm die Wheelbase-spezifischen Werte aus dem vorherigen Abschnitt. Speichere sie als Preset in ACC, damit du jederzeit zurück kannst.
Schritt 2 — Gain kalibrieren: Fahr 3 Runden Brands Hatch Indy oder Misano. Achte auf Clip-Warnungen (ACC zeigt ein rotes FFB-Symbol oben rechts). Wenn es clippt: Gain um 5 % reduzieren. Wenn du kaum Lenkkraft spürst: Gain um 5 % erhöhen. Ideale Gain ist der höchste Wert, bei dem nie geclippt wird — auch nicht in schnellen Kurven mit vollem Kerb.
Schritt 3 — Damping testen: Fahr die gleiche Strecke nochmal. Wenn dir die Wheelbase zu zappelig vorkommt, Dynamic Damping um 10 % erhöhen. Wenn dir Details fehlen (du spürst keine Kerbs, keine Randsteine), Damping um 10 % reduzieren.
Schritt 4 — Road Effects feintunen: Das ist der letzte Schritt und der persönlichste. Fahr über einen langen Kerbabschnitt. Bei 0 % spürst du fast nichts. Bei 30 % fühlt es sich an wie Rasenmäher. Finde den Wert, bei dem Kerbs klar spürbar sind, aber nicht dominant. Für die meisten: 10–20 %.
Schritt 5 — Dokumentieren: Notiere deine finalen Werte mit Strecke und Auto. ACC speichert FFB pro Auto, aber nicht pro Setup-Änderung. Wenn du später vermutest, dass etwas nicht stimmt, kannst du auf deine Notizen zurückgreifen.
Per-Auto vs. global — was du wissen musst
ACC speichert FFB per Auto. Heißt: was du für den AMG GT3 einstellst, gilt nicht für den Porsche. Das ist Feature, nicht Bug — jeder Wagen hat anderes Federbein-Setup, anderes Reifengewicht.
Pragmatisch: stell dir 2–3 Lieblings-Wagen ein und lass den Rest auf Default. Wenn du den AMG fährst, hast du AMG-Settings. Für Liga-Rennen, in denen du nur ein Auto fährst, ist das ideal. Für gelegentliches Hüpfen zwischen verschiedenen Wagen: Nimm einen globalen Mittelwert und akzeptiere, dass der Porsche etwas anders fühlt.
Ein Tipp für Einsteiger: Fang mit einem Auto an. Der AMG GT3 ist ein guter Kandidat — neutral, gutmütig, viel Feedback. Fahr 10 Stunden damit, finde deine FFB-Werte, und erweitere dann auf andere Autos. So vermeidest du das Gefühl, dass 'nichts passt', weil du ständig zwischen verschiedenen FFB-Profilen wechselst.
Wichtig: Wenn du Hardware wechselst (z.B. von MOZA R9 auf Fanatec CSL DD), musst du ALLE Autos neu kalibrieren. Alte Werte passen nicht mehr, weil sich die Wheelbase-Charakteristik komplett ändert.